Betest du auch?

Alles diese Woche passiert. Besuch von B. Wir hatten zusammengesessen, gegessen, erzählt, Anteil genommen. Ein Gespräch, wie man es mit Menschen führt, die einem wichtig sind. Und ganz selbstverständlich haben wir für verschiedene Dinge gebetet, die uns während unseres Gesprächs beschäftigt hatten.

Nicht kompliziert. Nicht feierlich. Einfach miteinander vor Gott gebracht, was war.

Dann das Gebet mit meinem Mann. Nach dem Frühstück. Für eine bestimmte Situation. Wir hatten miteinander darüber gesprochen und anschließend gebetet. Am nächsten Tag geschah etwas, das ich nur als Wunder bezeichnen kann.

Natürlich weiß ich nicht, warum Gott manchmal so unmittelbar antwortet und wir in anderen Situationen lange warten. Aber in diesem Moment war da dieses Staunen: Gestern gebetet. Und heute geschieht etwas.

Dann besuchte ich M. zum gemeinsamen Walken. Wir hatten viel Zeit zum Erzählen und Fragen hin und her zu bewegen. Irgendwann setzten wir uns auf eine Bank. Und beteten. Eine Bank wurde zu unserer Kirche.

Am nächsten Tag besuchte ich K. im Krankenhaus. Wir erzählten, lachten viel und am Ende beteten wir. Kein Gottesdienst. Keine Gebetsveranstaltung. Ein Krankenzimmer, zwei Menschen und ein Gebet.

Und dann der spontane Besuch bei R.

Sie hatte mir etwas genäht, und eigentlich wollte ich nur bei ihr vorbeischauen. Wir hatten uns lange nicht gesehen. Aus dem kurzen Abholen wurde ein langes Gespräch. Was ist inzwischen passiert? Wie geht es dir? Was beschäftigt dich? Wir erzählten und auch dieses Gespräch endete mit Gebet. Als ich sie anschaute, waren ihre Augen blitzblank und voller Freude. Ich glaube, hinter diesen Augen wuchsen gerade Wurzeln der Hoffnung.

Vielleicht beginnt eine Graswurzelbewegung genau so.

Wir denken bei einer Bewegung schnell an viele Menschen, große Treffen, Veranstaltungen, Konzepte und Organisation. Gras wächst anders. Eine Wurzel hier. Eine dort. Unter der Oberfläche verbinden sie sich. Und irgendwann wächst etwas.

Es geschieht nicht nur in Gottesdiensten oder Gebetskreisen. Nicht nur zu bestimmten Uhrzeiten oder an besonderen Orten. Sondern mitten im Leben. Am Küchentisch. Auf einer Bank im Wald. Im Krankenhaus. Beim spontanen Besuch. Beim Spaziergang.

Vielleicht müssen wir Gebet weniger organisieren, sondern häufiger fragen: „Wollen wir dafür zusammen beten?“

Es macht einen Unterschied, ob ich nach einer Begegnung nach Hause gehe und denke: „Dafür werde ich später beten.“ Oder ob wir unsere Hände noch um die Kaffeetasse gelegt haben, uns anschauen und sagen: „Komm, dafür beten wir jetzt.“

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